Balance - für mehr Lebensfreude im Alter
In einer Woche werden die älteren Damen und Herren aus dem Alten- und Service-Zentrum in München-Obermenzing wieder zusammen kommen und sich gegenseitig berichten, wie es ihnen mit dieser Aufgabe ergangen ist. Sie nehmen am Pilotprojekt "Balance – für mehr Lebensfreude im Alter" teil.
Szenenwechsel, 3 Jahre danach
"Es hat mich beeindruckt, wie schnell die Caritas in diese hoch aktuelle Thematik eingestiegen ist, und dass sie gleich an der Basis angesetzt hat." Am Ende der Pilotprojekt-Phase zieht Psychotherapeutin Christine Lechner im September 2009 eine überaus positive Bilanz.
"Balance – für mehr Lebensfreude im Alter": der Arbeitstitel des in den Alten- und Service-Zentren der Caritas in München-Aubing, Pasing und Obermenzing durchgeführten Projektes, ist zugleich Titel ihres jetzt erschienenen Buches, das als Anleitung durch das Trainingsprogramm führt. Im Bild: Christine Lechner überreicht Caritasdirektor Prälat Hans Lindenberger das druckfrische Trainingsprogramm. Es ist für Projektleiter gedacht, aber, so Lechner: "Ich habe schon viele ältere Menschen beobachtet, die beim Durchblättern an den Übungen und Geschichten hängen bleiben und spontan sagen, dass sie das eine oder andere Trainingselement ausprobieren möchten."
Eine der ersten basisorientierten Publikationen
Die Idee zu diesem in Deutschland einmaligen Projekt wurde in der Münchner Caritas geboren. "In unseren Alten- und Service-Zentren und unseren ambulanten Diensten hatten wir seit längerer Zeit beobachtet, dass viele ältere Menschen unter depressiven Verstimmungen leiden, die aber noch nicht den Grad erreicht haben, für dessen Behandlung z.B. der Gerontopsychiatrische Dienst zuständig ist.
'Gehen wir doch mal das Thema Altersdepression an', dachten wir uns", erinnert sich Ulrich Prasser, projektverantwortlicher Zentrumsleiter der Caritas München West und Würmtal. Zumal es noch wenig basisorientierte Publikationen zu diesem Spezialbereich gab: "Das fachdienstübergreifende Interesse hat uns dann sehr erstaunt. Ebenso wie die spontane Bereitschaft des Kuratoriums, die Projektkosten zu übernehmen."
Lebendige Kombination von Projektplanung und praktischer Umsetzung
Die Projektgruppe unter der fachlichen Leitung von Christine Lechner setzte sich zusammen aus Vertreter/innen der Caritas vor Ort (Gemeindeorientierte Soziale Arbeit, Sozialstation, Alten- und Service-Zentren, Gerontopsychiatrischer Dienst), einem Kuratoriumsvertreter sowie der zuständigen Fachreferentin. Die Resultate der Projektgruppe wurden in den parallel laufenden Pilotkursen zeitnah in die Realität übertragen und in der Praxis reflektiert.
"Es waren sehr intensive, interdisziplinäre Sitzungen mit einer gelungenen Mischung aus top-aktueller Wissenschaftlichkeit, großer Praxisnähe und produktiver Reflektion", schwärmt Lechner rückblickend: "Da war Leben drin!"
Interdisziplinär erfolgreich
Genau diese Lebendigkeit macht das Trainingsprogramm schon jetzt zu einem Erfolg, und zwar weit über die Grenzen des Caritasverbands München-Freising hinaus. Nach ersten Veröffentlichungen in Fachmedien melden Beratungsstellen unterschiedlicher Träger aus ganz Deutschland Interesse an. Nach einer 2-tägigen Fortbildung befähigt 'Balance – für mehr Lebensfreude im Alter' die Fachleute zur eigenständigen Durchführung des Trainingsprogramms. Und auch die Gerontopsychiatrischen Dienste profitieren in ihrer Arbeit von diesem Praxishandbuch.
Elfriede Toth, Caritas-Referentin für Offene Altenarbeit/Gerontopsychiatrie und Projektgruppen-Mitglied: "Obwohl uns allen klar war, dass das Programm bei Menschen mit diagnostizierter Depression keine gerontopsychiatrische Behandlung ersetzen kann, ergeben sich viele Schnittstellen, und gerade der niederschwellige Ansatz macht den Zugang für die Menschen leicht. Es ist ja nicht einfach, hinzugehen und zu sagen: ich bin depressiv, helft mir."
In den beim Pilotprojekt beteiligten Alten- und Service-Zentren haben sich viele Besucher für den Kurs interessiert. 90 % der Teilnehmer waren Frauen, das Alter variierte zwischen 60 und 80 Jahren.
Und nach dem Kurs?
Und wie geht es für diese Menschen jetzt weiter? "Der Kurs hat ein Anfang und ein Ende. Diese Begrenzung ist sehr wichtig", betont Lechner. Aber zum Teil treffen sich die Teilnehmer nach dem Kurs weiter in lockerer Regelmäßigkeit, z.B. zum gemeinsamen Frühstück.
Elfriede Toth: "Unsere Intention war und ist, die Lebensfreude der Teilnehmer zu erhöhen und ihre Eigenständigkeit im Alltag zu verstärken. Dazu gehört im besten Fall, dass sie sich für das breit gefächerte Angebot unserer Alten- und Service-Zentren interessieren." Die erste verbandsweit angebotene Schulung von Christine Lechner war jedenfalls schnell ausgebucht.
In 12 Schritten zur Lebensfreude
Für die Psychotherapeutin mit eigener Praxis in München erklärt sich dieser Erfolg vor allem durch den großen Bezug zur jeweiligen Lebenswirklichkeit der älteren Menschen. Neben den wissenschaftlichen Ausführungen für die Fachleute bietet das Programm eine Fülle von pragmatischen Anleitungen, die nicht nur leicht verständlich sind, sondern Lust machen, sie auszuprobieren. Zum Beispiel den Freude-Frust-Kalender. Oder das Stöbern in den schönsten Erinnerungen, aufgeteilt in Lebensphasen.
Das Programm ist in 12 Schritte aufgeteilt, zu jeder Einheit setzen sich die Teilnehmer Ziele und vertiefen das Gelernte jeweils mit einer der "zehn goldenen Regeln". Zum Beispiel: 'Ich will mich fordern, aber nicht überfordern.' Oder 'Ich will mir von einer Krankheit nicht alles gefallen lassen – ich will lernen, damit umzugehen.' Und schließlich: 'Ich will die schönen Anlässe meines Lebens feiern.' Zur körperlichen und mentalen Lockerung dienen einfache Bewegungsübungen, Anleitungen zum Singen und eingängige, kurze Texte und Geschichten.
Gute-Laune-Training ohne erhobenen Zeigefinger
Auch Menschen ohne depressive Verstimmungen können beim Blättern wertvolle Impulse erhalten. "Eigentlich," sinniert Lechner, "kann jeder sich dieses Programm anschauen." Denn es ist gleichzeitig auch ein Präventiv-Programm. Und zwar eines ohne erhobenen Zeigefinger. Das macht 'Balance – für mehr Lebensfreude im Alter' zu einem hilfreichen und spannenden Angebot für Menschen mit depressiven Verstimmungen.
Nähere Informationen zum Projekt erhalten Sie im Caritas-Zentrum München West und Würmtal, Telefon: (089) 89 11 66-0, oder E-Mail: czwest-wuermtal@caritasmuenchen.de
Dort können Sie auch das im Lambertus-Verlag erschiene Trainigsprogramm bestellen. Es kostet 15,50 Euro.
Multiplikatorenschulung
„Balance“ – für mehr Lebensfreude im Alter
Ein erfolgreiches Konzept für die Arbeit mit depressiven älteren Menschen.
Gegen die zunehmenden depressiven Erkrankungen auch bei älteren Menschen und den damit einhergehenden Belastungen entwickelte das Caritas-Zentrum München West um die psychologische Psychotherapeutin Christine Lechner ein innovatives Trainingsprogramm, um ältere Menschen zu helfen, wie sie einer Depression vorbeugen, dagegen angehen oder die belastenden Symptome reduzieren können.
Es ist wirksam und erfolgreich - das wurde in mehreren Einrichtungen und Durchgängen erprobt und gesichert.
Dieses wirksame Konzept zu verbreiten ist das Ziel der jetzt entwickelten Multiplikatorenschulung.
Die Teilnehmer erhalten zur Durchführung des Trainingsprogramms eine Grundinformation über das Krankheitsbild „Depression im Alter“ und lernen, wie sie das Trainingsprogramm „Balance“ in Gruppen mit älteren Menschen durchführen können. Das Buch zu dem Programm ist soeben erschienen.
Multiplikatorenschulung:
Caritas Institut für Bildung und Entwicklung,
Hirtenstraße 4
2 Tage jeweils von
9.00 – 17.00 Uhr
Termin: 13. – 14. 04. 2010
Anmeldung im Institut für Bildung und Entwicklung unter
Tel.: 089 / 55169-274
Ehrenamtliche Energiesparberatung für Haushalte mit geringem Einkommen


